10. Juli 2012

Erst eine kleine Papagena, dann einen kleinen Papageno...


Kaum hatten mich meine Eltern zu sich geholt,
stellte ich ihr Leben gehörig auf den Kopf.

Als Frühchen hatte ich drei Monate in einem Brutkasten verbracht... mein Lebenshunger war unbändig, ich war lautstark, lebendig,
fordernd und neugierig.

Allerdings besaß ich die erste Zeit kaum natürliche Reflexe, so dass meine Mutter mit mir täglich Übungen machen musste.
Sie ließ mich zum Beispiel kopfüber einen riesigen Ball hinunter rollen, während sie mich an den Füßchen festhielt - ich sollte lernen, beim "Fallen" die Arme auszustrecken.

In dieser Zeit gab es sogar Ärzte, die mir eventuelle Sprachstörungen vorraussagten...
Ha!
Ha-ha!

Wenn ich auch so manche Macke mein Eigen nenne,
eine Sprachstörung kann man mir nicht nachsagen!

Als ich das Krabbeln lernte,
war es aus mit den ruhigen Nächten meiner Eltern...

Ich kam zwei Jahre lang JEDE Nacht in ihr großes Elternbett gekrabbelt, mein Schlafsack schleifte hinter mir über den Fußboden her. Sie ließen mich zu sich.
Jede Nacht.
Sie beschwerten sich nie.
Sie waren glücklich.


***

Ich weiß, dass meine Stabilität,
all meine innere Sicherheit,
mein Selbsvertrauen,

all das entspringt dieser bedingungslosen
Liebe und Geborgenheit.

***

Als ich zwei Jahre alt war,
adoptierten meine Eltern einen kleinen Jungen.
Ich bekam einen Bruder.
Ebenfalls zwei Jahre später bekam ich eine kleine Schwester,
wir telefonieren übrigens seit vielen Jahren wöchentlich miteinander.


***

Nachdem meine Eltern endlich die Erfüllung einer kinderreichen Familie gefunden hatten,
wurde meine Mutter schwanger.

ICH sage: sie war endlich entspannt und es klappte!
Es klappte sogar zweimal!

Schwupp-di-wupp waren wir zu fünft.
Fuhren wir gemeinsam im Auto, sang mein Vater gerne:
"Hab´mein Wagen voll geladen,
voll mit vielen Kindern!"

Langeweile?
Nicht bei uns!

Kaum waren wir im Kindergarten und/oder in der Schule,
hatten wir nachmittags regelmäßig Spielfreunde zu Gast.
Alle kamen gerne, denn bei uns war´s immer lustig.

Bei uns durfte man nackt durch den Rasensprenkler rennen,
verkleidet durchs Haus toben,
mit den Kaninchen spielen,
Höhlen im Heu graben,
hoch und höher schaukeln, auch im Stehen oder zu dritt,
Wiesenblumen pflücken,
Baumhäuser bauen,
im Freien übernachten,
leckere Quarkspeisen in der Küche zubereiten,
Hörspiele anhören,
Kunstbände durchblättern,
Klavier spielen,
Schneemänner bauen und Papas Schal dafür verwenden,
stundenlang in der Buchenhecke sitzen und spielen,
sich im ganzen Haus verstecken,
Schatzsuche spielen,
mit meinem Hund alleine in den Wald gehen...

Es sprach sich rasch herum unter den Kindern,
dass man bei uns so vieles durfte!

Daher durften natürlich jederzeit Freunde kommen,
bei uns essen,
mit uns spielen,
bei uns übernachten.
Alles kein Problem!

Meine Eltern waren immer entspannt.
Ich habe jedenfalls keine gegenteiligen Erinnerungen.

***

Wir hatten ein Stück "Bullerbü".
Wir waren Glückskinder.

Kommentare:

  1. Ach Mensch *temporauskram*
    Das ist einfach soooo schön!
    Und rührt gerade eine wunde Stelle ganz tief in mir... *seufz*

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  2. Hey, jetzt habe ich echt Tränen in den Augen! Das ist ja eine wahnsinns Geschichte.....klasse!
    Liebe Grüße
    Gisela

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  3. Was heißt hier waren - ihr seid GLÜCKSKINDER. Wunderbar! lg

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  4. Oh Mann ... ich tupf dann mal weiter Tränchen weg. DAS IST JA SOOO SCHÖÖÖN!!!
    Mehr, mehr, mehr! Bitte, bitte!

    Alles Liebe,
    Sonja

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  5. *tränchenverdrück* ♥♥♥

    Schön, Frau Papagena....

    Gina

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  6. so so schön!! beneidenswert!bei uns war die kindheit leider anders...
    habe eben bei *joanna liebesbotschaft* auch einen tollen post zu diesem thema gelesen!
    freue mich für dich - eure familie für dieses glückvolle leben!
    mache jetzt mir und meinem großen heute-zuhause-kind jetzt gaaanz entspannt ein paar leckere nudeln und lasse mich heute durch nullkommanix mehr stressen...viele liebe dornrös*chengrüße!

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  7. Gänsehaut :) Wundervoll! Tolle Eltern! Und diese Kinder werden ebenfalls tolle Eltern.

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  8. Heul, schnief, die Nase hochzieh... hach... Papagena ♥♥♥...

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  9. Liebe Papagena,

    in einer Welt voller Nachrichten über Rabeneltern ist es ganz wundervoll, solche Posts, wie den Deinen zu lesen. *Dankeschön* Das ist ein toller Ansporn, selbst tolle Eltern zu sein!

    Liebe Grüße
    Daniela

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  10. Wunderschön! Wie schade, dass ich so wenige Erinnerungen habe! Vielleicht war ich einfach noch zu klein in der bunten "Bullerbü-Welt". Ich erinnere mich aber noch an das Pferd, das wir hatten, die vielen Hasen, meiner hat immer die Wände vollgepinkelt, während er quer durch´s Zimmer gerast ist - in der Nacht war man nicht vor ihm sicher, wenn ich mit meiner Freundin unter dem Hochbett geschlafen habe. Damals hatte ich oft richtige Lachkrämpfe bekommen und wir haben uns mit Unterhosen auf dem Kopf verkleidet, an die wir Kleiderhaken gehängt hatten - warum auch immer. Wenn wir krank waren haben wir frischgepressten Apfelsaft und Karottensaft von Mama und Papa bekommen. Meinen hat meistens mein Hase weggetrunken und ich fand es so süß, dass ich nur zugeschaut habe. Mit zwölf hatte ich pinke Haare, die Mama war total entsetzt und hat kein Wort mit mir gesprochen. ... irgendwie habe ich die meiste Zeit in der Ganztagsschule verbracht, schade, aber dafür konnte ich jede Menge Musik und Kunst machen. Übrigens, danke für dein Paket!! Es ist heute angekommen! Leider muss ich noch eine Woche warten, um es auszupacken, aber ich freue mich schon jetzt wie dolle drauf!!

    Viele Grüße aus Berlin!

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    1. Wie schön, dass Du mir auch ein paar von Deinen Erinnerungen schreibst, kleine Schwester! *zwinker*

      An die Haare in Pink kann ich mich gar nicht erinnern, aber da war ich wohl schon meine eigenen Wege gegangen...

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  11. Meine Güte, was für ein Haus voll Glück!! Erst euch drei und dann noch mal zwei ?? Mir fehlen die Worte, aber jetzt weiß ich warum du so bist wie du bist, das Du eine unglaubliche Lebensfreude rüberbringst und soviel positives ausstrahlst.Was für´ne schöne Kindheit.
    Ihr Glückskinder! Und damit meine auch auch deine Eltern, die sooooviel Glück erleben dürfen.

    Drückdichdoll, Bianca

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  12. Was für eine schöne Lebensgeschichte . Wir waren auch eine große Familie . Da hat man schon viele schöne Erinnerungen . Liebe Grüsse Heike

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  13. Liebe Papagena, wie wundervoll deine, eure Glücksgeschichte zu lesen! Was für eine tolle Familie ihr seid!

    Herzliche Grüße

    Bea

    PS.: Hattest du eigentlich meinen Brief mit den Karten erhalten?

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  14. G r o s s e s. K i n o !!!

    Ich ziehe meinen Hut vor Deinen Eltern!!!

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  15. All das kann man mit einem Wort beschreiben: LIEBE!!!
    Gany genauso wünsche ich es allen Kindern dieser Erde!
    Vielen Dank für Deinen Post!!

    Herzliche Grüße
    Suse

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  16. So eine wunderschöne Geschichte....und was für Glück Du hattest so tolle Eltern zu bekommen!!! Deine Geschichte ist wirklich rührend!
    Freu mich schon auf´s nächste Mal!
    Liebe Grüße,
    Bea

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  17. Toll! Einfach nur toll! Beim Lesen kamen auch bei mir die Tränen.
    Das hört sich nach einer wundervollen Kindheit an und die gibst du auch an deine Kinder weiter.

    Ich beneide dich um so eine große Familie.

    Ganz liebe Grüße,
    Maraike

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  18. Toll, dass sich das so gemehrt hat!! Damit hätten deine Eltern ganz zu Anfang sicher nie gerechnet.
    Und es hört sich nach einer tollen Kindheit an.
    Und: ich bin eigentlich auch so *frei* aufgewachsen. Das war toll.
    Viele Grüße von Ann

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  19. Hallo!
    Ich verstehe nicht ganz gut, aber es ist höchst interessant und mit einer klugen und wichtigen Heldin. Du hast eine tolle Eltern!
    Grüsse aus BCN,
    Montse

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  20. Mit Tränen in den Augen hab ich deine Familienposts gelesen und freue mich sehr, sehr, sehr mit Dir, dass Du so eine glückliche, unbeschwerte Kindheit in einer großen Familie haben durftest, so liebevolle Eltern und so viele schöne Erinnerungen. Die Fotos mit deinen Eltern strahlen so viel mehr Liebe aus, als Worte jemals beschreiben könnten.
    Und in deinen Zeilen ist so viel Liebe für deine Eltern, dass sie sicher extrem reich beschenkt sind. Wunderschön, soetwas zu lesen.

    Lieber Gruß,
    Katja

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