13. April 2012

Man weiß nie, wofür´s gut ist - ein ganz besonderer Reisemoment

Mit 16 Jahren hielt ich das erste Mal das Programmheft einer Volkshochschule (VHS) in den Händen. Ich weiß nicht mehr, woher ich das Heft hatte, doch ich las darin von einem Gebärdensprach-Kurs für Anfänger und war augenblicklich wild entschlossen, daran teilzunehmen - konnte sogar meine beste Freundin ebenfalls dafür begeistern (in diesem Alter macht man ja am liebsten ALLES mit der besten Freundin gemeinsam, gell?!).

Anmeldung ausgefüllt, Kurs besucht, Gebärdensprache gelernt.
Einfach so.
Ich kannte nicht einen einzigen gehörlosen Menschen, war aber trotzdem neugierig und motiviert!

Grafik von hier ausgeliehen *klick*

Natürlich kann man in einem Anfängerkurs nur einen winzigen Einblick in diese neue Welt erhaschen! Und wie das mit allen Dingen so ist: ohne regelmäßige Übung vergisst man auch das Gelernte sehr schnell wieder...

***

Vier Jahre später fuhr ich mit meinem damaligen Freund das erste Mal alleine in den Urlaub (Lago Maggiore) - nur wir zwei beide... ich war entzückt! Wir verbrachten ein paar großartige Tage miteinander, wollten aber an einem Nachmittag getrennte Wege gehen und waren erst für den Abend wieder verabredet.

Ich beschloss, dass ein paar Stunden am Wasser wunderbar wären und fuhr mit dem Auto am See entlang auf der Suche nach einer geeigneten Badestelle. Auf der italienischen Seite des Sees fand ich endlich eine kleine Haltebucht am Straßenrand, stellt mein Auto dort ab und sah, dass ein kleiner, steil nach unten verlaufender Trampelpfad zu großen Felsen am See führte, auf denen sich herrlich ein Sonnenbad nehmen ließe. Weit und breit kein anderer Mensch - ich fand das toll und begann sofort mit dem Abstieg.

Unten angekommen, entdeckte ich unweit von mir einen jungen Mann, der es sich ebenfalls auf den warmen Steinen bequem gemacht hatte und in ein Buch vertieft war. Er beachtete mich nicht weiter und ich fühlte mich ebenfalls genügend ungestört, um mich bis auf den Bikini zu entblättern, Sonnenmilch aufzutragen und in eine Zeitschrift zu vertiefen.

Die Sonne brannte warm auf meinen Rücken und ich freute mich bereits über die hübsche Sommerbräune, die ich am Abend mitnehmen würde... das Wasser gluckste fröhlich um die kleinen und großen Ufersteine... ich war sehr stolz auf meinen genialen Sonnenplatz!

Als ich gerade anfing, träge in der Sonne zu dösen, hörte ich, wie Autotüren heftig zugeschlagen wurden und Schritte an der Böschung über mir. Ich hob meinen Kopf und blickte nach oben, in diesem Augenblick beugten sich drei Italiener über den Rand der Böschung und entdeckten mich dort unten auf den Felsen.
Alleine.

 Sie fingen an, irgendwelche Dinge über mich zu reden, lachten und gröhlten roh und sahen immer wieder hinunter...

Irgendwo in mir begannen die Alarmglocken zu läuten.

Wenn ich hier weg wollte, musste ich den schmalen Pfad direkt zu diesen Idioten hochklettern, die anzüglich grinsend dort oben standen und offentlichlich überlegten, herunter zu kommen!

Auf einmal verfluchte ich diese einsamen Felsen, die Idylle war dahin! Äußerlich hatte ich mein Pokerface aufgesetzt, blätterte weiter in meiner Zeitung - während ich innerlich panisch überlegte, ob die Drei mir wirklich etwas tun könnten...

Da fiel mir der stille junge Mann wieder ein, der nicht weit von mir gesessen hatte. Suchend sah ich mich um - er war ein paar Felsen weiter gewandert (der Sonne folgend). Als sich unsere Blicke trafen, rief ich fragend, ob ich mich zu ihm setzen dürfe - die Typen da oben seien mir ehrlich gesagt nicht ganz geheuer!

Der Mann schüttelte den Kopf.
So ein Idiot! Was ist denn schon dabei, mir kurz auszuhelfen, dachte ich verzweifelt.

In diesem Moment deutete er mir mit Gebärdensprache, dass er mich nicht hören könne!

Ahhh... ich kann gar nicht sagen, wie erleichtert ich war!
Ich wiederholte also meine Frage mit den Händen noch einmal, er lächelte und lud mich ein, ihm Gesellschaft zu leisten.


So schnell hatte ich noch nie Handtuch, Tasche und mich selbst von A nach B bewegt!


Ich bot ihm einen Schluck zu trinken an, er lehnte dankend ab... wir fingen an, uns notdürftig zu unterhalten... was nach all den Jahren erstaunlich gut klappte!
Er sei Italiener, er lebe hier und komme bei schönem Wetter gerne an diese Stelle des Sees, da es hier so ruhig und ungestört sei (ach ne?!) und so weiter.

Nach ein paar Sätzen schielte ich vorsichtig die Böschung hoch: die Deppen waren weg! Was für eine Erleichterung!

Er hatte meinen Blick bemerkt und grinste!
Wir unterhielten uns noch ein kurzes Weilchen, dann begleitete er mich zu meinem parkenden Auto (ein echter Gentleman) und wir verabschiedeten uns herzlich.

Erst auf der Heimfahrt in die Ferienwohnung wurde mir bewusst... was für ein Glück es war, dass ich mit meinen spärlichen Gebärdensprach-Kenntnissen hatte kommunizieren können!

Damals, als ich diesen VHS-Kurs gemacht hatte, waren einige über mein "seltsames" Interesse an der Gebärdensprache verwundert... man weiß eben nie, wofür´s gut ist!

***

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Kommentare:

  1. Was für ein wundervolles Erlebnis! Danke, dass Du es für uns aufgeschrieben hast ... einfach klasse! Mehr, mehr, mehr!!!

    Wünsche Dir und Deinen Lieben ein zauberhaftes Wochenende,
    Sonja

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  2. Wow! Erstmal ein großes, großes Dankeschön für´s Mitmachen! Ein zweites großes Dankeschön für die unglaubliche Geschichte (berührend, frech, spannend! und überraschend), und zuletzt ein besonders großes Dankeschön für dich mit einem "ich bin begeistert"!

    Ob die nächste Zeit noch mehr Geschichten und Fotos beim Gewinnspiel dabei sein werden? Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt und freu mich schon jetzt auf´s Entdecken von ganz besonderen Momenten jedes Einzelnen.

    Viele Grüße,
    Anette

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  3. Ohje, das war aber eine brenzlige Situation!
    Da sieht man mal wieder, nichts was man lernt ist sinnlos.
    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende, Papagena!
    ♥lichst Zaunwinde

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  4. GÄNSEHAUT... was für eine Story, wow!!!
    Das war wirklich ein besonderer Reisemoment... solche Geschichten kann einfach nur das Leben schreiben... und Frau Papagena ;o)

    Liebe Grüße,

    Gina ♥

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  5. Ah ich hab auch einen Hippie Reisemoment:-) für die Schwester. Deiner ist aber auch wirklich ganz besonders. Alles Liebe Martina

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    1. Danke für den Hippie Reisemoment! :-) Ich kann mir die ganz besondere Magie sehr gut vorstellen, einen ähnlichen hatte ich einmal mit Glühwürmern auf einer Wiese erlebt. Wunderschön und danke für´s dabei sein Martina!
      Liebe Grüße,
      Anette

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