17. Januar 2013

Alltag mit Vierbeiner

Der Alltag mit Hundebaby gestaltet sich schwieriger, als gedacht!
 
Obwohl ich 15 Jahre lang eine treue Hündin an meiner Seite hatte, war mir die Welpenzeit nicht mehr in allen Einzelheiten im Gedächtnis. Bestimmt liegt es auch daran, dass ich damals selbst erst 9 Jahre alt war und der Hund die meiste Zeit von meiner Mutter versorgt wurde. Ich selbst pickte mir anscheinend die Rosinen aus dem Kuchen, ging nach der Schule den Waldweg auf und ab, stolz wie Bolle über das kleine Welpenknäuel...
Anschließend eine Schmusestunde - das waren wohl damals alle Aufgaben, die ich in der Anfangszeit übernahm.
 
***
 
Dieses Mal ist alles anders.
Ich habe einen Job, Haushalt und Kinder.
Ich putze Pipi-Pfützen und Kackhäufchen weg, ich wiege Futter ab, reinige die Näpfe und bürste das Fell.
Ich übe Spazierengehen an der Leine und konfrontiere das Jungtier täglich mit unheimlichen Alltags-Schrecken:
 
zum Beispiel das Aufeinandertreffen mit großen Hunden,
dem Donnern der vorbeibrausenden Zügen,
dem Entlanglaufen an dicht befahrener Hauptstraße,
Raschelndes und Knisterndes,
dem Getöse des Staubsaugers,
das Mitfahren im Auto
und dem halbstündigen Alleinebleiben zu Hause...
 
Auf dem Plan für diese Woche:
 
Aufzug fahren und durch eine Unterführung gehen.
Vielleicht finden wir auf unseren Spaziergängen auch eine Brücke.
 
Das mit der Stubenreinheit wird auch langsam.
Das Hundemädchen zeigt an, wenn es rauß muss.
Man sollte nur die Zeichen deuten können, und dann rasch handeln, denn lange kann sie ihr Bedürfnis noch nicht halten.
 
Lob und Tadel sind von Anfang an klar verständlich.
Ersteres wird begeistert entgegengenommen, Letzteres zumindest registiert. Ein klares "Nein" hat Gültigkeit, und das ist schon viel wert!
 
Zwischendurch hat das Hundekind seine fünf Minuten und flippt vollkommen aus. Ich würde sagen: Energieüberschuss.
Sie rennt dann wie von Hummeln gestochen durchs Zimmer (oder den Schnee), bellt, knurrt und schnappt... zur Not auch nach dem eigenen Schwanz. Noch viel lustiger findet sie es allerdings, wenn Frauchen beim Balgen mitmacht, mitknurrt und so tut, als wäre sie auch ein Hund.
 
Sind die fünf Minuten vorbei, liegt das Tierchen völlig platt in seinem Bett und pennt. Zack - Licht aus.
 
Jeden Tag machen wir kleine Fortschritte in Richtung geregeltes Zusammenleben und haben Spaß miteinander.
 
***
 
Ein interessantes Phänomen ist allerdings, dass man als Hundewelpen-Frauchen ungefragt von allen Seiten Tipps zur Welpenerziehung bekommt. Grundsätzlich macht man alles falsch, fragt man die Leute. Leute, die schon mal einen Hund hatten, kennen sich aus: der Umgang mit Hund kann scheinbar kaum hart genug sein. Lasch ist was für Weicheier und wird vom Hund sofort als Schwäche ausgenutzt.
Ich selbst denke, das Zauberwort heißt Konzequenz.
Ist gar nicht so anders, wie mit Kindern.
 
Man sollte klar sein in seinen Aussagen und Anforderungen.
Klar und nachvollziehbar.
Nicht heute so, und morgen wieder anders.
Nicht zu viel auf einmal.
 
Ich denke, in einem Punkt aber unterscheidet sich das Muttersein von der Hundeerziehung:
Kinder verstehen das Wort "ausnahmsweise".
Und akzeptieren unter Umständen dadurch sogar manche Regel noch besser.
Hunde nicht.
 
Aber MUSS der Hund zwingend auf harten Befehlston hören?
"Hier!"
"Platz!"
"Aus!"
 
Militanter Befehlston ist nicht mein Ding.
Klare Regeln im Zusammenleben mit Hund schon.
 
Ich glaube, man darf sich nicht von allen Seiten verunsichern lassen. Gibt es allerdings Unsicherheiten, kann der Austausch mit anderen Hundebesitzern sehr bereichernd sein.
Wir werden daher recht bald die Hundeschule besuchen.
Ich stelle mir das vor, wie der Mütter-Treff am Sandkastenrand.
Mamis sitzen beisammen und diskutieren über Windeln und Milchzähne, während die Kleinen fröhlich miteinander im Sand spielen...
 
Kann bestimmt nicht schaden.
 
***
 
Einen erstaunlich widerlichen Ernährungstipp von heute möchte ich Euch nicht vorenthalten - er kam von einem ehemaligen Hundebesitzer, dessen Hund ein deutscher Schäferhund mit Polizeihundausbildung gewesen war.
Diesem wurde damals folgendes angeraten:
 
Er solle beim Metzger einen Kuhmagen mit Inhalt (Gras und Magensäfte) besorgen und ihn vom Hund im Garten vergraben lassen. Sobald sich am beerdigten Kuhmagen die Maden tummeln, würde das Hundetier diesen wieder ausbuddeln und verspeisen.
Auf diese Weise käme das Tier an wichtige Bakterien für die allgemeine Darmgesundheit.

Hm.
Ich denke, dieses Gesundheitsrisiko gehe ich gerne ein und verzichte!

Kommentare:

  1. Uuuaaahhhhh.....manche Tips sind echt "zum Kotzen" ;-)

    AntwortenLöschen
  2. Herrlich, wie Du über das Hundekind schreibst. Ich war 10, als wir einen Cockerspaniel bekamen, und habe auch nur Rosinen gepickt. Deshalb bleibt es bei uns erst eimal bei den Katzen. Ich bin aber sehr neidisch auf die wilde kleine Räubertochter.

    Liebe Grüße

    Uta

    AntwortenLöschen
  3. Super Papagena, ganz toll und unterhaltsam geschrieben.
    Danke
    Sunny

    AntwortenLöschen
  4. Hihi, die 5 Minuten sehen bei uns genauso aus, nur dass Bolle schon 6 1/2 ist, aber immer noch durchdreht - täglich.
    Und das mit der Konsequenz ist echt wichtiger als bei den Kindern, wie du schon geschrieben hast, die Kiddies kennen "ausnahmsweise"... Die Probleme mit Inkonsequenz sehe ich bei den Nachbarn. Das Hundemädchen (jetzt 1 1/4 J.) macht worauf sie gerade Lust hat ohne Ermahnung, Tadel... Schuhe klauen und fressen, Blumenzwiebeln ausbuddeln und fressen, Garten umgraben während Frauchen ruhig daneben steht... Aber der Sohn ist ähnlich inkonsequent "erzogen", denn er beschimpft seine Eltern ungestraft mit "you are an assh*le" oder "du bist bescheuert" (Paps ist Brite und das Kind dreisprachig) - darauf folgt eine Arie der ungarischen Mutter, die nicht besonders streng klingt und viel zu viel Geschwafel ist (blablablabla....) und dann gibt es ein Eis. Aber ich schweife ab ;-)
    Der Tipp mit dem Kuhmagen erübrigt sich, wenn Ihr irgendwo Schafköttel findet - also Euer Hund. Die hat unser Bolle nämlich mit Genuss verspeist - iiiih und hat anschließend sehr grün gepupst.
    Viel Spaß mit dem kleinen Racker - und nicht verzweifeln, dat wird schonn.
    LG Dani

    AntwortenLöschen
  5. Hallo von Hundebesitzerin zu Hundebesitzerin...! Bei uns sind die Ratschläge nicht ganz so krass, da unser Hund schon "gebraucht" ist :-) = 6 Jahre alt. Aber bei einem Welpen ist das wohl so - das erzählte eine Bekannte, die auch einen Welpen haben, letztens auch gerade.
    Und wie du schon sagst, ich finde, mit Hunden und Kindern ist es durchaus recht ähnlich!! Das stelle ich auch immer mehr fest...! Aber auch wenn man ein Baby hat, gibt es ja Ratschläge von allen Seiten!
    Wir wollten auch erst einen Welpen, aber da ich auch (halbtags) berufstätig bin, hätte sich das schwierig gestaltet, auch auf nachts raus hatte ich nicht so die rechte Lust (wohnen in einer Mietwohnung, leider nicht im Haus).
    Umstellen muss man sich bei manchen Dingen schon... z.B. dass der Hund in div. Dinge nicht mit herein darf (Ikea nein, in anderen Möbelgeschäften schon, Botanischer Garten auch nicht) usw. Daran muss man sich erstmal gewöhnen, zuvor immer an alles zu denken.Oder: dass der Hund in der Bahn soviel wie ein Kind bezahlen muss!!!
    Na, ich wünsche euch viel Spaß, es wird schon!
    Viele liebe Grüße von Ann mit Sunny

    AntwortenLöschen
  6. Ähm... den Spezialitäten-Tipp mit dem beerdigten Magen finde ich einfach "genial"... Dschungelcamp für Hunde - oder wie??

    AntwortenLöschen
  7. Ja, genau so war es, als wir die Wilma vor gut einem Jahr zu uns holten....lach Ihre 5 Minuten hat sie immer noch, der Schwanz wird dann ausgiebig gejagt, müde umfallen.... nö....da braucht es mittlerweile schon mehr.
    Was die Hundeerziehung angeht kann ich Deine Aussage nur unterstreichen. Konsequenz ist das A und O. Wir kommen prima ohne Befehlston aus, Wilma hört, wenn Frauchen es nett sagt und auch auf Handzeichen. Schön, wenn man sich auf dem Hund "verlassen" kann, weiß, daß er z.B. an der Straße auf Kommando stehen bleibt. Macht das Zusammenleben etwas streßfreier. (-:
    Dir ganz viel Spaß mit Deinem kleinen Schatz.
    Wir gehen jetzt erstmal den Schnee begrüßen!!

    LG Mara

    AntwortenLöschen
  8. Das klingt doch alles wunderbar! Ja, einen Welpen haben ist sicherlich auch anstrengend, zugleich aber sooo bereichernd und schön. Und die investierte Zeit lohnt sich - man erhält einen treuen Begleiter an seiner Zeit für lange lange Jahre - aber das weißt du ja selbst ;)
    Alles Liebe,
    Dania

    AntwortenLöschen
  9. Oh viel Spaß mit dem Hund wünsch ich Euch!
    Liebe Grüße von einer begeisterten Teilzeit-Hundemama :-)

    AntwortenLöschen
  10. Da hast du ja ordentlich zu tun . Aber wenn dein Hundi erstmal stubenrein ist , dann ist alles andere auch ein klacks . Und mit dem Kuhmagen naja .......
    Wir hatten mal einen großen Mischling der hat ab und zu ein Schweinepfötchen
    bekommen , das hat er selbst vergraben und wenn es so richtig schön alt und schwarz war hat er es sich wieder geholt , schüttel . Liebe Grüsse Heike

    AntwortenLöschen
  11. Liebe Papagena
    Deine Einblicke sind wirklich zu schön. Das Leben mit Hundebaby ist ja nicht weit weg vom Leben mit Menschbaby wie es mir scheint. (Nur trägt man das Baby natürlich nicht raus zum Kacki machen:). Ich bin schon gespannt wie es weitergeht. Die Hundedame sieht auf jedenfall zu niedlich aus. Ach und übrigens deine Sichtweise zur Hundeerziehung --- Sehr schön und sehr vernünftig wie mir scheint.
    Alles Liebe Martina

    AntwortenLöschen
  12. Ich auch! DAS muss mein Welpe nicht nachmachen...
    LG Susuko.

    AntwortenLöschen