1. Oktober 2010

Viel Lärm um Nichts

Fräulein Tochter fährt jetzt morgens immer mit dem Schulbus.
Und der fährt zwei Straßen weiter ab, weshalb es notwendig ist, daheim rechtzeitig los zu laufen.

Zwei Mädels aus unserer Straße nehmen ebenfalls morgens den Bus, und da sie auf dem Weg dorthin an unserem Haus vorbei kommen, klingeln sie immer kurz, damit Fräulein Tochter sich ihnen anschließen kann. Eine feine Sache.

Neulich allerdings war ich morgens noch mit Herrn Sohnemann im Bad beim Zähneputzen und bemerkte erst zu spät, dass die Mädels nicht aufgetaucht waren.
Ich schickte Fräulein Tochter daher unverzüglich allein auf den Weg zum Bus.

Wenig später machten Herr Sohnemann und ich uns gemütlich auf den Weg zum Kindergarten. Wir schlenderten in Eintracht nebeneinander her, unterhielten uns über Wichtiges und Unwichtiges und hatten keine Eile. Auf dem Rückweg nach Hause hatte ich gute Musik im Ohr und genoss das Laufen am Morgen... die Sonne schien... die Luft war klar... die Äpfel in unserem Garten leuchteten...

Aber nein, das waren ja gar keine Äpfel... das war Fräulein Tochter, die beim Heimkommen oben im Apfelbaum saß, nach mir Ausschau hielt und ein wenig vor sich hin weinte!
Sie hatte leider den Bus verpasst, war daher wieder heim gelaufen und dann, nachdem keiner die Türe aufgemacht hatte, auf ihren Baum geklettert, um auf mich zu warten.

Ich beruhigte sie und fuhr sie rasch zur Schule - 8 Minuten später saß sie mit einer Verspätung von einer Viertelstunde im Klassenzimmer. Die Lehrerin war verständnissvoll - alles war wieder gut.

Als ich zu Hause ankam, läutete bereits beim Eintreten das Telefon. Es war der sich auf der Baustelle befindliche Handwerker-Ehemann, der mir aufgeregt mitteilte, dass die Schule bei ihm angerufen hätte, weil das Kind nicht dort angekommen sei... und nun der Onkel bereits mit dem Auto durch den Ort fahren würde, um sie zu suchen.

Erstaunt erzählte ich, dass alles Bestens sei, da ich das Fräulein Tochter soeben höchstpersönlich in der Schule abgeliefert hätte.
Die Schule hatte tatsächlich 5 Minuten nach Unterrichtsbeginn versucht, bei uns anzurufen (und da ich mal wieder mein Handy nicht dabei hatte, meinen Mann auf der Arbeit angerufen), dass unser Kind vermisst sei.
Daraufhin hatte mein Mann (da ich mal wieder mein Handy nicht dabei hatte) seinen Onkel angerufen, dass unser Kind vermisst sei - so dass dieser in höchster Panik ins Auto gesprungen war, um nach ihr zu suchen...

Ich gab also zuerst dem sich sorgenden Onkel Entwarnung, und rief dann im Sekretariat der Schule an, um auch hier mitzuteilen, dass das Kind ordnungsgemäß im Klassenzimmer sitzt.

Was wir daraus gelernt haben?

1. Frau Papagena muss lernen, ihr Handy immer mit zu nehmen.
2. Frau Papagena muss morgens die Uhr im Auge behalten, damit das Tochterkind rechtzeitig zum Bus läuft.
3. Das Tochterkind braucht einen eigenen Hausschlüssel, damit es im Fall der Fälle nicht vor verschlossener Türe steht oder im Apfelbaum vor sich hin reift.
4. Die Schule hat ein perfektes Frühwarnsystem - sollte das Kind also aus irgend welchen Gründen mal wieder zu spät sein oder gar nicht kommen, ist es ratsam, SOFORT in der Schule Bescheid zu geben.

P.S.: Seitdem Fräulein Tochter vor einigen Tagen ihren eigenen Hausschlüssel von uns bekam, geht sei auffällig häufig beim Draußen-Spielen nach Hause, um entweder etwas zu trinken, zu essen, aufs Klo zu gehen etc....
einfach, weil es ein so erhabenes Gefühl für sie ist, NICHT klingeln zu müssen!

Kommentare:

  1. Oh je, was für eine Aufregung! Super Frühwarnsystem der Schule, das muss ich allerdings anmerken. Dein ärmster Ehemann... und das Kind weinend im Baum, irre.
    Ich wünsche dir ein entspanntes Wochenende. Du hast es dir verdient.
    Liebe Grüße
    Susanne

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  2. Liebe Papagena, ich finde es gibt ganz viele Menschen, die sich hier eine Scheibe abschneiden und aus der Geschichte lernen könnten:
    FAMILIENZUSAMMENHALT ist durch NICHTS zu ersetzen!
    Ganz liebe Grüße, die Christiane

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  3. Das Frühwarnsystem der Schule imponiert mich. Dort hat ein Kind keine Chance unentschuldigt wegzubleiben. Dadurch bietet diese Schule die Möglichkeit nach dem Kind sehr früh zu suchen.
    Als Elternteil sehr beruhigend zu wissen.

    Unsere ERS Schule zum Beispiel, sagt nicht mal Bescheid wenn das Kind Nachsitzen hat. Anrufen darf es das Elternteil auch nicht, ohne Geld und Handys sind verboten.
    LG

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  4. Finde ich auch klasse von der Schule. Und hatte ja so nur positive Effekte die Sache!

    LG :)

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  5. Ja, prima so ein Frühwarnsystem. Leider hab ich auch mein Handy nienienie dabei, wenn ich aus dem Haus gehe. Fehler, wie man an diesem Beispiel sieht!

    Christel

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  6. ...hab schon viel erlebt. Aber ein weinendes Kind im Apfelbaum, das hatte ich noch nicht. Aber lieber da im Baum, als sonst wo...
    Unsere Schule macht das genauso. Und ich bin froh, dass es so funktioniert.
    Handy darf sie dabeihaben, muss aber aus sein.
    Viele Grüße von einer Mama, die sich auch immer über die vielen entgangenen Anrufe auf ihrem Handy wundert....
    Elisabeth

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  7. Eieiei...
    Da ist aber viel passiert.
    Aber ist ja alles noch mal gut gegangen! :)

    LG

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  8. ejejejeje, war dieser onkel etwa mein DAD??????? ;)))

    habe durch zufall deine site gefunden!!!!!!! schön zum lesen!


    phat greeetz aus beeeeeeeeerlin, du weisst doch hoffentlich wer ich bin :)
    dein göttergatte ist mein cousin! ^^

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  9. Liebe Anonyme,

    klar weiß ich, wer Du bist.... habe ja damals auch in Deinem Blog mitlesen wollen, der wurde dann aber sehr bald nicht mehr weiter geführt...

    P.S.: Dein lieber Vater ist für unsere Kinder fast wie ein zusätzlicher Opa!

    Gruß von Frau Papagena

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